Geschäftsbericht
2023
10/28

Wie Duisburg-Ungelsheim zum Klimavorreiter wird

Die Rheinwohnungsbau (RWB) setzt auf eine ganzheitliche Lösung des historischen Stadtteils Ungelsheim.

Die Gesamtinvestition für die energetische Sanierung und Energieversorgung des rund 60 Jahre alten Quartiers, um den CO2-Ausstoß auf nahezu null zu senken, beläuft sich auf 51 Millionen Euro. Zur Eigenversorgung des Quartiers mit Strom werden PV-Anlagen installiert. Im Rahmen unserer Großmodernisierung in Duisburg-Ungelsheim baut die RWB ein Nachbarschaftszentrum, welches allen Bewohnern des Quartiers als Anlaufpunkt zur Verfügung steht. Der Bau ist im Herbst letzten Jahres gestartet und wird im Sommer dieses Jahres abgeschlossen. Insgesamt investiert die Rheinwohnungsbau 1,7 Mio. € in das neue Nachbarschaftszentrum, welches durch die AWOcura, die Kirche und langfristig auch durch den Verein Vida e. V. betrieben wird.

Ein Quartier mit Geschichte und Zukunft

Das Quartier Duisburg-Ungelsheim ist eng mit der Stahlindustrie verbunden, die hier einst viele Arbeitsplätze schuf. Die Rheinwohnungsbau erwarb die Werkswohnungen in den 1980er Jahren und hat seitdem einen Großteil der Gebäude energetisch modernisiert. Doch das reicht nicht aus, um die Klimaziele zu erreichen. Deshalb haben wir eine Großoffensive im Quartier gestartet, welche eine dezentrale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien, Mieterstrom und Sektorenkopplung umfasst. Das Ziel: Bis 2027 soll das Quartier klimaneutral sein.

Insgesamt verwalten wir hier 772 Wohnungen, verteilt auf rund 129 Gebäuden: Die Objekte an dem Standort verfügen über die schlechteste CO2-Bilanz des RWB-Portfolios – auch wegen der Wärmeversorgung über Gas-Zentralheizungen: Mit einem jährlichen Ausstoß von rund 40 kg CO2 pro Quadratmeter liegt der Emissionswert dieses Quartiers um 67 % über dem Durchschnittswert des gesamten Wohnungsbestandes. Die Wohnsiedlung hat einen Wärmebedarf von 5.484 MWh pro Jahr, der durch Gasbrennkessel gedeckt wird. Da die Wohneinheiten elektrische Warmwassersysteme nutzen, verbrauchen sie jährlich etwa 3.500 kWh Strom.

Das entspricht insgesamt einem Ausstoß von jährlich rund 2 Mio. Kilogramm Kohlenstoffdioxid. Durch die Ausstattung mit PV-Anlagen und Wärmepumpen soll sich das Quartier künftig nahezu selbst mit Strom und Wärme versorgen. Zusätzlich können die Mieter den selbst erzeugten Strom zu günstigen Preisen beziehen und profitieren von einer hohen Versorgungssicherheit.

Die Klima-Großoffensive im Quartier kommt auch bei Gebäuden zum Tragen, die bereits vor Jahren saniert wurden: Alles startete im Jahr 2011:  Mit dem Ziel der „energetischen Ertüchtigung“ wurden die Fenster und Haustüren erneuert, ein neues Wärmeverbundsystem und eine Abluftanlage installiert, die Dach- und Kellerdecken gedämmt und neue Vorstellbalkone montiert. Der Wohnraum wurde um die bisherigen Loggien erweitert. Dieses Programm wird bei allen – sowohl bereits abgeschlossenen als auch noch laufenden Maßnahmen – um den Einbau von Wärmepumpen der Installation von PV-Anlagen 

Anzahl
Typ
Status
Aktuell
24
Häuser
Bereits teilmodernisiert
Nachrüsten von Wärmepumpen und Installation von PV-Anlagen
171
Mietwohnungen
105
Häuser

Laufende energetische Modernisierung

Wärmedämmung sowie Dämmung der Kellerdecke, Austausch der Fenster sowie Heizkörper, Neugestaltung der Außenanlagen, Einbau Wärmepumpe, Installation der PV-Anlagen
601
Mietwohnungen

Laufende energetische Modernisierung

Ein Konzept mit vielen Vorteilen

Wir haben uns für eine ganzheitliche Lösung entschieden, die den „Klimapfad 2045“ vorgibt. Wo die Gebäude zu viel Energie verlieren, wird die wärmeübertragende Gebäudehülle auf neuesten Stand gedämmt. Auf den Dächern werden Photovoltaik-Anlagen installiert, die die maximale Stromerzeugung ermöglichen. Die Gas-Zentralheizungen werden durch Luft-Wasser-Wärmepumpen in allen Gebäuden ersetzt, die diesen Strom zur Wärmeerzeugung nutzen. Überschüssiger Strom wird in Batteriespeichern gespeichert und zeitversetzt verbraucht. Da nach Fertigstellung jährlich weit über 1,5 Mio. kWh Strom in den knapp 130 Wohnobjekten erzeugt werden, bietet wir allen Mietern diesen CO2-neutralen Strom im Zuge eines Mieterstrom-Modelles an. Um dem wachsenden Trend der Elektro-Mobilität gerecht zu werden, schaffen wir die Möglichkeit an fast allen Gebäuden Ladepunkte mit diesem Mieterstrom zu versorgen.

Das Konzept hat somit viele Vorteile: Es senkt die CO2-Emissionen, die Energiekosten und die Abhängigkeit von externen Versorgern. 

Smart-Metering der Klimabilanz: Unser CO2-Dashboard

Um das sektorenübergreifende CO2-Reduktionspotenzial der Wohnsiedlung zu bestimmen, wurde zunächst eine softwarebasierte Analyse durchgeführt. Diese analysiert in stündlicher Auflösung für ein ganzes Jahr, wie und in welchem Umfang der PV-Strom als Eigenverbrauch in der Liegenschaft eingesetzt werden kann. Die Analyse zeigt die optimale Dimensionierung und Betriebsweise der Erzeuger und Verbraucher sowie die ökologischen und wirtschaftlichen Kennzahlen.

Für gutes Klima in der Nachbarschaft sorgen

Neben der energetischen Sanierung legt die RWB auch Wert auf die soziale Komponente ihrer Quartiere. Ein gutes Beispiel dafür ist das Nachbarschaftszentrum in der Blankenburger Straße, das den Bewohnern als Anlaufstelle für Beratungen zum Thema Pflege und Alltagsunterstützung zur Verfügung steht. Das Büro wird in Kooperation mit der AWOcura Duisburg betrieben, die über langjährige Erfahrung in der Seniorenarbeit verfügt. Ungelsheim ist der Stadtteil mit der ältesten Bevölkerung Duisburgs und hat besondere Bedürfnisse und Herausforderungen in diesem Bereich. Das Nachbarschaftszentrum bietet den älteren Menschen nicht nur individuelle Hilfe und Unterstützung, sondern auch die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und Gemeinschaft zu erleben: Die Rheinwohnungsbau finanziert aktuell 10 Wochenstunden einer Sozialarbeiterin, die an zwei Tagen pro Woche im Büro erreichbar ist. Parallel dazu soll eine Cafeteria als Treffpunkt für die Menschen des Viertels dienen und in einem Gemeinschaftsraum Gruppenangebote stattfinden. Die Räumlichkeiten sollen ein Ort werden, an dem sich die Menschen begegnen und dort aktiv und partizipativ mitwirken können. Folgende Veranstaltungsbeispiele ab der Eröffnung im August 2024 finden hier Raum:

  • Frühstückstreffen
  • Vortragsveranstaltungen
  • Bastelaktionen
  • Bewegungsangebote
  • Spielveranstaltungen
  • Beratungen zu Themen im Rahmen von Pflege, Erhaltung der Selbständigkeit in der eigenen Wohnung, hauswirtschaftlicher Unterstützungen, Hausnotrufgeräte, Umgang mit dementen Angehörigen etc.
  • Hilfe zur Antragstellungen.

Das nach Fertigstellung ca. 335 m² große Nachbarschaftszentrum wird zu 2/3 in Holzbauweise errichtet und ist das zweite Bauprojekt der Rheinwohnungsbau, bei dem auf den Bauträger Holz zurückgegriffen wird. Weiterhin wird hier auch in puncto Nachhaltigkeit auf Wärmepumpe und die Installation von PV-Anlagen gesetzt.

Dieses Angebot ist initiiert durch unseren Nachbarschaftshilfeverein Vida e.V., der sich für die Hilfe und Teilhabe von Menschen in verschiedenen Lebenslagen einsetzt. Er will Nachbarschaften stärken, Isolation vermindern, Kinder und Senioren fördern und individuell beraten. Der Verein wird hauptsächlich von der RWB gesponsert und plant, in verschiedenen Stadtteilen Begegnungsstätten zu nutzen. Ein Beispiel dafür ist der Nachbarschaftszentrum in Duisburg-Ungelsheim.

Ein Vorbild für andere Quartiere

Der Standort Duisburg-Ungelsheim stellt einen wichtigen Meilenstein im Bereich der erfolgreichen Sektorenkopplung und eine CO2-Reduktion in Wohnquartieren dar. Es ist ein Beispiel dafür, wie ein historisches Quartier mit einer innovativen Energieversorgung fit für die Zukunft gemacht werden kann. Der Prozess in Ungelsheim dient als Vorbild für andere Quartiere, für die wir ebenfalls eine dezentrale und nachhaltige Energieversorgung anstreben. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz in der Region und partizipieren unsere Mieter und damit auch Endverbraucher des erzeugten Stroms. 

Aktueller Status

  • Zum 01.07.2023 gingen die ersten Anlagen in Betrieb
  • Neun Objekte werden derzeit mit Mieterstrom versorgt 
  • Dazu gehören 72 Parteien
  • 1.462 PV-Module wurden bereits verbaut
Anzahl Häuser
129 Häuser
Anzahl Wohneinheiten
772
Alter der Gebäude
1959
Emission vorher

40,17 kg CO2/m2*a

Emission nachher

CO2-neutral

Nutzfläche
48.400m2
Dauer der Sanierung/ Modernisierung
2020 – ca. 2027
Investitionskosten 
51 Mio. €


„Für uns liegt der Schlüssel zum Erfolg im Quartier. 
Dort wird Energie in vielfacher Form verbraucht und kann vor Ort erzeugt werden.“
Thomas Hummelsbeck