Unsere große Wohnsiedlung rund um den Sermer Weg/Volkardeyer Weg in Lichtenbroich hat ein neues Gesicht erhalten. Um Platz für generationengerechten Wohnraum zu schaffen, wurden die rund 50 Häuser aus den 1950er Jahren mit ihren 240 Wohnungen umfassend saniert und teilweise abgerissen. Dabei wurde die Wohnfläche um ca. 25 % erweitert, sodass am Ende aller Bauabschnitte 14.500 m² Wohnraum in Größenordnungen von Ein- bis Fünfzimmerwohnungen entstanden. Das Quartier in Düsseldorf-Lichtenbroich erhielt für den 1. und 2. Bauabschnitt das Siegel „Klimaschutzsiedlung des Landes NRW“. Außerdem ist die gesamte Wohnanlage als generationengerechtes Quartier zertifiziert.
Standort
Lichtenbroich ist ein Stadtteil im Norden von Düsseldorf, der sich durch eine hohe Wohn- und Lebensqualität auszeichnet. Mit seiner Lage zwischen dem Flughafen, dem Aaper Wald und dem Grüngürtel liegt Lichtenbroich sowohl verkehrsgünstig als auch naturnah. Der Stadtteil hat rund 6.000 Einwohner und bietet eine gute Infrastruktur mit Geschäften, Schulen, Kitas und Freizeiteinrichtungen.
Hier verfügten wir vor Beginn der Baumaßnahmen über rund 50 Objekte mit insgesamt 383 Wohneinheiten – überwiegend in der Zeilenbauweise der 1970er Jahre, die hinsichtlich der energetischen Ausstattung, des Wohnungszuschnitts sowie der Wertsteigerungspotenziale nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Deshalb haben wir angepackt …
Bauliches Konzept und Durchmischung der Wohnungstypologie
Vor der Quartierserneuerung befanden sich in der Wohnsiedlung lediglich Ein- bis Zweizimmerwohnungen, sodass sich hier überwiegend Singles und Senioren ansiedelten.
Jetzt steht ein Mix mit Wohnungen zwischen zwei und fünf Zimmern zur Verfügung, um auch Familien mit Kindern ausreichend Wohnfläche zu bieten. Die Siedlung wurde inzwischen als generationsgerechtes Quartier ausgezeichnet. Zu den dafür zu erfüllenden Kriterien zählt unter anderem, dass ältere Menschen alle Wohnungen und Einrichtungen barrierefrei, also auch mit einem Rollstuhl, erreichen können. Für Kinder gibt es Spielanlagen und eine Boulebahn im Innenkern des Quartiers. Das Thema Inklusion findet hier ebenfalls Platz: In Kooperation mit dem St. Josef Orden und In der Gemeinde leben gGmbH sind unterschiedliche soziale Projekte im Quartier beheimatet.
1. Bauabschnitt
Ursprünglich verfügte die Gebäudezeile Sermer Weg 56–62 über Ein-(38 m²)- und Zwei-(52 m²)-Zimmer-Mietwohnungen mit kleinen, in die Jahre gekommenen Bädern. Die Beheizung erfolgte durch Strom und war energetisch weitestgehend im Zustand der Bauerstellung. Weder die Häuser noch die Wohnungen waren barrierearm oder barrierefrei.
Zwei wesentliche Ziele des Umbaus waren vor allem eine barrierearme Ausbildung der Wohnungen und eine energetische Ertüchtigung des Gesamtgebäudes.
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Wohnfläche
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3300 m²
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Zeitraum
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2015 bis Ende 2016
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Neubau
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20 öffentlich geförderte, seniorengerechte 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen zwischen 48 m² und 62 m² |
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Umbau und Modernisierung
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24 Wohnungen zwischen 45 m² und 54 m² |
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Stellplätze
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20 Außenstellplätze |
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Nachhaltigkeit
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KfW-40-Standard (Neubau) |
2. Bauabschnitt
Weitere vier Häuserzeilen brachen wir in 2017 zum Teil ab, um sie durch Neubauten zu ersetzen. Die verbleibenden Gebäude erhielten eine Kernsanierung analog zum 1. Bauabschnitt. Das Bauvolumen umfasste 113 Wohnungen (Neubau und Bestand) sowie eine Arztpraxis. Sämtliche Neubauwohnungen dieses Bauabschnittes entsprechen den Wohnungsbauförderbestimmungen.
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Orden/Haus St. Josef wurde Wohnraum für Menschen mit geistigen Behinderungen als Außenwohngruppe zur Verfügung gestellt.
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Wohnfläche
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3310 m²
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Zeitraum
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Frühjahr 2017–2019
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Neubau
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65 Wohnungen neu gebaut, alle öffentlich gefördert, seniorengerecht 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen |
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Umbau und Modernisierung
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48 Wohnungen zwischen 45 m² und 54 m² |
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Stellplätze
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60 Außenstellplätze |
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Nachhaltigkeit
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KfW-40-Standard |
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3. Bauabschnitt
Der 3. und letzte Bauabschnitt dieses umfangreichen Projektes befindet sich seit dem 2. Quartal 2020 in der Realisierung. Im Unterschied zu den beiden vorhergegangenen Bauabschnitten fand keine umfangreiche Bestandssanierung, sondern Ersatzneubau statt. Insgesamt entstanden bzw. entstehen dort 60 frei finanzierte Mietwohnungen, eine Wohngruppe (öffentlich gefördert) mit 14 Apartments sowie eine 4-zügige Kita. Ergänzt wird der letzte Bauabschnitt um 12 Einfamilienhäuser im Rahmen einer kleineren Bauträgermaßnahme. Die Fertigstellung findet in Etappen seit Mai 2022 statt und bis auf die Kita sowie die 14 geförderten Apartments konnten bis Ende des Jahres 2023 alle Wohnungen an die neuen Mieter übergeben werden. Mit der Übergabe der Kita sowie der 14 Apartments Ende April 2024, die für inklusives Wohnen sowie Azubi-Wohnen bereitgestellt werden, findet das Projekt seinen Abschluss.
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Wohnfläche
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7840 m²
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Zeitraum
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Juni 2022 – Mai 2024
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Neubau
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14 öffentlich geförderte, seniorengerechte 2-Zimmer-Wohnungen zwischen 40 m² und 52 m² sowie zwei größere Wohnungen mit 63 m² und 82 m² |
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Stellplätze
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75 Außenstellplätze |
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Nachhaltigkeit
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KfW-55-Standard |
Umgang mit unseren Mietern
Das Bauprojekt wurde in drei Bauabschnitten realisiert, um unsere Mieter so wenig wie möglich zu belasten und ihnen die Möglichkeit zu geben, im Quartier zu bleiben. Dabei wurde für jede persönliche Lebensgeschichte eine Lösung gefunden: Der Prozess wurde so geplant, dass wir stets freie Wohnungen für den Übergang pro Bauabschnitt zur Verfügung hatten. Daneben konnten wir betroffene Mieter ebenfalls in sogenannte Hotelwohnungen übergangsweise umquartieren oder haben eine Lösung innerhalb des Bestandes der RWB gefunden. Die Betreuung der einzelnen Mieter erfolgt durch den zuständigen Hauswart Martin Rigol, der vor Ort sein Büro hat, sowie den Bauleiter Tobias Schmidt und aus der Vermietungsabteilung Jan Weber. Diese drei wichtigen Ansprechstellen sind für uns wesentliche Pfeiler der Mieterkommunikation und Begleitung der Baumaßnahmenaktivitäten und stehen den Mietern weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.
Die Architektur
Die Architektur des Wohnquartiers ist von einer klaren und zeitgemäßen Formensprache geprägt, die sich harmonisch in die bestehende Struktur einfügt. Die Gebäude sind in drei- bis fünfgeschossigen Baukörpern angeordnet, die durch versetzte Fassaden und Balkone gegliedert sind. Die Fassaden sind in hellen und warmen Farbtönen gestaltet, die Fenster sind großzügig dimensioniert und ermöglichen einen guten Tageslichteinfall. Die Wohnungen sind hell, freundlich und hochwertig ausgestattet und bieten Platz für verschiedene Wohnbedürfnisse. Die Grundrisse sind flexibel und barrierefrei gestaltet, die Wohnungen verfügen über Fußbodenheizung, hochwertige Vinylböden, bodengleiche Duschen und elektrische Rollläden. Weiterhin sind die Wohnungen überwiegend nach Süden oder Westen ausgerichtet und haben einen direkten Zugang zu einem privaten Freibereich, sei es ein Balkon, eine Terrasse oder ein Garten.
Die neu entstandenen Einfamilienhäuser sind als dreigeschossige Reihenhäuser mit Flachdächern konzipiert, die sich an die umliegende Bebauung anpassen. Die Kindertagesstätte ist als zweigeschossiger Baukörper mit einem begrünten Flachdach gestaltet, der sich zum Innenhof des Wohnquartiers öffnet.
Auch die Außenanlagen wurden erneuert und durch eine barrierefreie Gestaltung aufgewertet. Die „grüne Mitte“ der Siedlung wurde als hochwertiger Aufenthalts- und Spielbereich unter Einbeziehung der alten Bäume gestaltet. PKW-Stellplätze sind gebäudenah vorhanden und teilweise mit Ladesäulen versehen, und Fahrräder können in abgeschlossenen und beleuchteten Fahrradhäusern abgestellt werden.
Das umgesetzte Freiraumkonzept fördert die Biodiversität, die Versickerung des Regenwassers und die Aufenthaltsqualität im Quartier. Die Gebäudezeilen sind von einem grünen Ring umgeben, der aus einer Vielzahl von Bäumen, Sträuchern, Stauden und Blumen besteht. Der grüne Ring dient als Sicht- und Lärmschutz, als Lebensraum für Vögel und Insekten, als Schattenspender und als Gestaltungselement. Das Regenwasser wird über Mulden, Rigolen und Versickerungsflächen gesammelt und dem Grundwasser zugeführt. Das Regenwasser wird nicht direkt und vollständig in die Kanalisation geleitet, sondern vor Ort genutzt, um die Pflanzen zu bewässern. Die grüne Lunge der Wohnsiedlung dient als Aufenthaltsfläche für Jung und Alt. Der autofreie Innenhof ist mit Spiel- und Sportgeräten sowie Sitzgelegenheiten ausgestattet und bietet viel Platz für Bewegung, Begegnung und Entspannung.
Energiekonzept und Nachhaltigkeit
Neben der architektonischen Qualität zeichnet sich das Wohnviertel auch durch seine ökologische Nachhaltigkeit aus. Die beiden ersten Bauabschnitte des Neubauprojektes zählen zu den „100 Klimaschutzsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“ und tragen dazu bei, die wärmebedingten CO₂-Emissionen in Wohnsiedlungen durch ein entsprechendes Energiekonzept nachhaltig zu reduzieren.
„Die Klimaschutzsiedlung Düsseldorf-Lichtenbroich hatte die Herausforderungen, umfangreichen Bestandsersatz zu organisieren, anschließend bezahlbaren – sprich geförderten – Wohnungsbau zu realisieren und das Gesamtensemble klimatechnisch zukunftsweisend aufzustellen“, so der Geschäftsführer der Rheinwohnungsbau Thomas Hummelsbeck.
Mit Mitteln der öffentlichen Wohnraumförderung des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt die NRW.BANK das Wohnprojekt mit 10,6 Millionen Euro. Das Ergebnis ist ein attraktives Wohngebiet mit insgesamt 231 Wohnungen und 12 Reihenhäusern sowie einer Kita, welches sich harmonisch in die bestehende Struktur einfügt und einen hohen, angenehmen Wohnkomfort bietet.
Die Neubauten des ersten und zweiten Bauabschnittes entsprechen dem KfW-40-Standard; die des dritten Bauabschnittes dem KfW-55-Standard. Das bedeutet, dass sie deutlich weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Gebäude.
In der Klimaschutzsiedlung Lichtenbroich versorgen nun mit Holzpellets betriebene Biomasse-Heizungen die Wohnungen. Sie lösen Nachtspeicheröfen und elektrische Durchlauferhitzer ab.
Die Holzpelletsheizung ist im dritten Bauabschnitt mit einer Solarthermieanlage kombiniert, die die Sonnenenergie nutzt, um das Warmwasser zu erwärmen. Die Solarthermieanlage besteht aus 95 m² Kollektorfläche auf den Dächern der Gebäude; das Wasser wird in einem 1 m³ großen Pufferspeicher gespeichert. Auf diese Weise werden etwa 25 % des Warmwasserbedarfs des Wohnquartiers abgedeckt.
Die Wohnungen des ersten und zweiten Bauabschnittes sind mit Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung ausgestattet, die für ein angenehmes Raumklima und eine gute Luftqualität sorgen. Die Lüftungsanlagen nutzen die Abwärme der Abluft, um die Frischluft zu erwärmen, bevor sie in die Wohnräume geleitet wird. Die Lüftungsanlagen sparen etwa 15 % des Heizenergiebedarfs der Wohnungen ein. Die Gebäude im dritten Bauabschnitt sind in einer monolithischen Bauweise errichtet, das heißt, sie bestehen aus einem massiven Mauerwerk, das ohne zusätzliche Dämmung einen hohen Wärmeschutz bietet. Die monolithische Bauweise im dritten Bauabschnitt ist ökologisch, da sie weniger Materialien und Transporte erfordert, und ökonomisch, da sie die Baukosten senkt. Die Gebäude im dritten Bauabschnitt erfüllen den KfW-Effizienzhaus-55-Standard, das heißt, sie verbrauchen nur 55 % der Energie, die ein vergleichbarer Neubau nach der Energieeinsparverordnung verbrauchen darf. Die durchschnittliche CO₂-Bilanz der Gebäude liegt zwischen 4,8 und 6,9 kg CO₂/m²a, was deutlich unter dem allgemeinen Durchschnitt für Wohngebäude von 8,7 kg CO₂/m²a liegt.
Generationengerecht und inklusiv
Das soziale Konzept des Quartiers bietet ein vielfältiges Wohnangebot für unterschiedliche Zielgruppen und Einkommensschichten, eine integrative Wohngruppe für Menschen mit geistiger Einschränkung, eine Kindertagesstätte, eine Arztpraxis und einen Quartierstreff.
2017 wurde das Quartier im Rahmen des Pilotprojektes Audit „Generationengerechtes Wohnen im Quartier“ zertifiziert. Das Zertifikat ist das Ergebnis eines gemeinsamen Pilotprojektes des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, der NRW.BANK, des Verbandes der Wohnungswirtschaft Rheinland, der Bertelsmann-Stiftung und des Vereins Familiengerechte Kommune. Ziele des Projektes sind die generationengerechte Weiterentwicklung von Wohnquartieren sowie die Schaffung und der Erhalt bezahlbaren Wohnraums in Nordrhein-Westfalen.
Folgender sozialer und zielgruppenbezogener Mix an Maßnahmen ist neben den Bautätigkeiten entstanden:
- Die integrative Wohngruppe für Menschen mit geistiger Einschränkung ist eine Kooperation der Rheinwohnungsbau und des Deutschen Ordens. Die Wohngruppe besteht aus acht barrierefreien Einzelzimmern und einem Gemeinschaftsraum, in dem die Bewohner von Fachkräften betreut werden. Die Wohngruppe ermöglicht den Bewohnern ein selbstbestimmtes Leben inmitten des Wohnquartiers und eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
- Eine Kindertagesstätte in Kooperation mit der Stadt Düsseldorf. Hier finden 100 Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren, die in vier Gruppen betreut werden, Platz zum Spielen. Die Kindertagesstätte verfügt über helle und freundliche Räume, einen großen Garten und ein pädagogisches Konzept, das die individuelle Entwicklung und Förderung der Kinder unterstützt.
- Die ansässige Arztpraxis bietet eine hausärztliche Versorgung des Wohngebietes und der Umgebung an. Die Arztpraxis ist modern und barrierefrei eingerichtet und verfügt über eine Anbindung an das Nahverkehrsnetz.
- Im Nachgang zum dann abgeschlossenen Quartiersumbau wird ab Sommer 2024 eine ehemalige Gewerbefläche zu einem Nachbarschaftszentrum umgebaut. Der Quartierstreff ist ein gemeinsames Projekt der Rheinwohnungsbau und des Vereins Vida e. V. Er soll im Jahr 2025 eingeweiht werden und ist ein offener Ort für die Begegnung von Bewohnern und anderen Interessierten, an dem verschiedene Aktionen und Angebote stattfinden und sich nach dem Bedarf der Besucher entwickeln werden. Er bietet einen Mehrzweckraum, eine Küche, eine Bibliothek und einen Garten. Zu den Angeboten gehören unter anderem Sprachkurse, Hausaufgabenhilfe, Seniorencafé, Kreativwerkstatt, Repair-Café, Fahrradwerkstatt, Gartenprojekt und Feste. Der Quartierstreff unterstützt den sozialen Zusammenhalt, die Integration und die Mitwirkung im Wohnquartier.
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