Geschäftsbericht
2024
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Projekt in der Pipeline: Quartier am Schlosspark in Düsseldorf-Benrath

Nur wenige Schritte vom Schlosspark Benrath entfernt, entsteht an der Regerstraße im Düsseldorfer Süden ein neues Quartier. Die Rheinwohnungsbau plant, auf einem ehemaligen Hallenbadgelände hundert Wohnungen und acht Einfamilienhäuser zu errichten. Die Bauantragstellung erfolgte im Dezember 2024. 

Mit dem Bauantrag für das Quartier am Schlosspark in Düsseldorf-Benrath ist eine wichtige Etappe erreicht. Wie lange dauerte der Planungsprozess für das neu zu bauende Viertel – und welche Herausforderungen gab es? 

Dem Bauvorhaben vorgelagert war ein städtebaulicher Wettbewerb, der Ende 2019 zugunsten der Planungsgemeinschaft Wienstroer Architekten Stadtplaner aus Neuss zusammen mit den Freianlagenplanern Bruun & Möllers aus Hamburg entschieden wurde. Daran anschließend wurden im Jahr 2021 durch eine sogenannte Bauvoranfrage mit der Stadt Düsseldorf offene planerische Fragen geklärt und die Rahmenbedingungen für die weitere Planung definiert. Auf dieser Basis begann 2023 intensiv die Planung der Gebäude und des öffentlichen Raumes, der ebenfalls Bestandteil der Planungsaufgabe ist. 

Die (Um-)Planung von öffentlichen Straßenräumen ist für uns ein Novum und somit gleichzeitig besonders interessant: Neben dem Umbau der bereits vorhandenen Regerstraße wird künftig eine komplett neue öffentliche Wohnstraße das Quartier durchlaufen. Lehrreich war auch die Tatsache, dass die Errichtung des neuen Hallenbads auf dem Nachbargrundstück zu einem geänderten Straßenniveau gegenüber der ursprünglichen Bestandssituation führte. Dies stellte uns hinsichtlich der vorgegebenen Höhenbegrenzungen der Häuser sowie der Festlegung der Eingangsniveaus vor einige planerische Herausforderungen.

Darüber hinaus ist das Grundstück an sich anspruchsvoll, denn es gibt lange Laufwege, auf denen grundsätzlich kein Auto fahren darf. Die teilnehmenden Büros des Architekturwettbewerbs mussten dazu sinnvolle Lösungsvorschläge unterbreiten. 

Bauart:
Neubau: 12.561 m² Grundstücksfläche der RWB
+ ca. 3.000 m² öffentlicher Raum
+ ca. 2.672 m² Grundstücke Einfamilienhäuser
Baumaßnahmen und -volumen:
  • 100 geplante Wohneinheiten
  • 2 Riegelgebäude in Ziegelmauerwerk: 54 Wohneinheiten mit 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen (öffentlich gefördert und städtisches Impulsprogramm) + Wohngruppe für 12 Personen
  • 3 Mehrfamilienhäuser in Holz-Hybrid-Bauweise: 24 Wohneinheiten mit 2- und 3-Zimmer-Wohnungen (städtisches Impulsprogramm und frei finanziert)
  • Tiefgarage (43 PKW-Stellplätze + 244 Fahrradstellplätze)
  • 8 exklusive Einfamilienhäuser mit Gärten (zum Verkauf)
  • neue öffentliche Verbindungsstraße/Umbau der Regerstraße 
  • Grünanlagen
Wohnfläche:

 ca. 7.700 m² (ohne Einfamilienhäuser)

Bauzeit:

voraussichtlich Ende 2025 bis voraussichtlich Ende 2028
(nachlaufend: Fertigstellung Straße)

Prognostizierte reine Baukosten:
(ohne Grundstücke)

rund 39 Mio €

Energiekonzept:

BEG 55, CO2-neutraler Mieterstrom durch Photovoltaik + Fernwärme

Energieverbrauch:

30 kWh/m2a = Energieeffizienzhausstandard 55 

Soziales:

Wohngruppe für 12 Personen, Begegnunsräume im Grünen für alle, Anteil geförderter Wohnraum > 50 % 

Mobilität:

öffentliche Mobilitätsstation mit Sharing-Angeboten (Lastenradautomat, überdachte Fahrradsammelschließanlage, Reparaturstation, Car-Sharing), großzügige Fahrradstellplätze 


Der Architekturwettbewerb für das Viertel lief in den Jahren 2018/19. Warum haben die beiden eben genannten Büros das Rennen gemacht?

Der Siegerentwurf hat planerisch die besten Antworten auf die Planungsaufgabe gegeben: erstens den Schallschutz zum benachbarten Freibad, zweitens den respektvollen Umgang mit dem Baumbestand und drittens eine – trotz hoher Wohnfläche – harmonische und maßstäbliche Einbindung des Neubaukomplexes in das benachbarte gutbürgerliche Musikantenviertel. Da das Quartier an das Freibad sowie an die Sportanlagen der benachbarten Schule grenzt, muss es besonders vor Sportlärm geschützt werden. Das Architektenteam sieht dafür zwei miteinander verbundene Gebäuderiegel vor, die den gesamten Innenbereich vor Schall schützen.

Das Prägende an dem Konzept des Gewinnerteams ist, dass der Verkehr weitgehend aus dem Quartier herausgehalten wird, wodurch eine besondere Aufenthalts- und Wohnqualität für alle Generationen entsteht. Auch wenn aus diesem Konzept teils längere Laufwege resultieren, so gibt es sinnvolle Verbindungswege innerhalb der Wohnanlage. Ergänzt wird diese Grundidee durch viele weitere Elemente: So sind nicht nur Müllstandorte am Rande des Quartiers vorgesehen, sondern auch Paketboxanlagen, die unkompliziert und zentral von Paketlieferdiensten angefahren werden können.

Bei der Grundrissaufteilung, die nach dem Wettbewerb noch weiter optimiert wurde, sind alle Treppenhäuser und Erschließungsflure an der lärmbelasteten Seite angeordnet; die dorthin orientierten Aufenthaltsräume werden mit speziellen Schallschutzfenstern ausgestattet. Über Balkone, die über Nebenräume wie Küchen zugänglich sind, erreicht man die Fenster zum Putzen, da sie sich aufgrund der Schallschutzqualität nur bis zu einem gewissen Punkt zur Belüftung öffnen lassen. Fast ausnahmslos orientieren sich die großen Balkone und Terrassen der Riegelgebäude zum schön gestalteten und ruhigen Freianlagenbereich.

Die in der Quartiersmitte verorteten drei Mehrfamilien-Punkthäuser sowie die Einfamilienhäuser werden also durch die Riegelgebäude sehr gut schalltechnisch geschützt und weisen damit einen besonders hohen Wohnwert auf.

Die Bewohner, abgesehen von denen der Einfamilienhäuser, werden mit ihren Autos direkt von der Regerstraße aus in die geräumige Tiefgarage einfahren, sodass kaum Pkw-Verkehr im Quartier stattfinden wird.

In der Nähe des geplanten Benrather Quartiers befindet sich ein Villenviertel. Gab es Bedenken seitens der Anwohnerschaft bezüglich des Bauprojekts? 

Die Nachbarschaft sah die gemäß Wettbewerb vorgesehene und politisch gewünschte Fünfgeschossigkeit der Mehrfamilienhäuser kritisch, sodass im Rahmen der nachgelagerten Bauvoranfrage die Gebäudehöhen auf vier Geschosse reduziert wurden. Alles in allem sieht der Entwurf zwei Riegelgebäude, drei Punkthäuser und acht zu Doppelhäusern gruppierte Einfamilienhäuser vor, die das Quartier zur bereits bestehenden Nachbarbebauung auflockern, sodass sich die Wohnanlage gut in den Stadtteil eingliedert und die Proportionen stimmen. 

Warum gilt das Bauprojekt als nachhaltig? 

Die drei Punkthäuser werden in Holz-Hybrid-Bauweise erstellt. Hybrid heißt, dass nur der Keller und die Treppenhäuser, also der innere Kern, aus Stahlbeton gebaut werden und der Rest aus dem nachhaltigen Baustoff Holz. Die Wände der Riegelgebäude und der Einfamilienhäuser lassen wir in Ziegelmauerwerk errichten. Ziegel ist ebenso wie die Kerndämmung in den Außenwänden ein natürlicher Baustoff und somit schadstoffarm. Außerdem verfügen moderne Ziegelsteine über hohe Wärmedämmeigenschaften. 

Die Mehrfamilienhäuser werden an das als CO2-neutral bewertete Fernwärmenetz angebunden. Zusätzlich installieren wir Photovoltaikflächen auf allen Dächern, die Energie direkt als Mieterstrom zur Verfügung stellen. Die Restflächen lassen wir begrünen. Die für den Verkauf vorgesehenen Einfamilienhäuser werden nicht an die Fernwärme angebunden, sondern erhalten jeweils eine eigene umweltfreundliche Wärmepumpe in Verbindung mit Photovoltaik. 

Der behutsame Umgang mit Regenwasser ist ein weiterer wichtiger Baustein in unserem Nachhaltigkeitskonzept: Auf dem Dach der Tiefgarage, das sich im Innenbereich des Quartiers befindet, wird es eine Grünanlage geben. Zur Regenwasserrückhaltung bauen wir darunter vollflächig eine sogenannte Retentionsebene ein, die aus einer rund 10 cm dicken wabenartigen Schicht besteht. Das Regenwasser wird hier aufgenommen und sickert erst verzögert in den Kanal, sodass die Pflanzen Zeit haben, sich mit Wasser zu versorgen. 

In den weitläufigen Außenanlagen planen wir zudem einen großen Anteil an insektenfreundlichen Wildblumenwiesen. Im Süden des Geländes, wo es früher eine Sporthalle gab, bleibt eine alte Baumgruppe bestehen. Trotz der hohen Bebauungsdichte wird unser Quartier am Schlosspark also ein sehr grünes Viertel. 

Nachhaltigkeit umfasst auch die soziale Komponente. Die Rheinwohnungsbau möchte in Benrath ein Mischwohnkonzept verwirklichen. Was zeichnet dieses aus? 

Unser Ziel ist es, grundsätzlich allen Menschen ein Zuhause zu bieten – unabhängig vom Alter oder Geld, von der Religion oder der jeweiligen Lebenssituation. Beim Mischwohnkonzept wohnen alle Tür an Tür: Familien, Paare und Singles. Das Quartier beherbergt sowohl frei finanzierte als auch öffentlich geförderte Wohneinheiten. Dabei achten wir darauf, dass der Ausstattungsstandard nahezu identisch ist, um eine sogenannte Vordifferenzierung zu vermeiden. Man erkennt also auf den ersten Blick keine Unterschiede zwischen den Wohnungen.  

Darüber hinaus werden zwölf Personen in einer Wohngruppe ihren Platz finden, die vom Sozialdienst katholischer Frauen und Männer Düsseldorf e. V. (SKFM) betreut werden wird. Jedes Appartement verfügt über ein eigenes Bad und eine Kochecke, die Bewohner teilen sich großzügige Gemeinschaftsräume und die Freisitze.  

Die geplante Freianlagengestaltung wird viel Aufenthaltsqualität bieten, um das soziale Miteinander und das Zusammenleben zu fördern. Im Norden des Quartiers wird es ruhiger zugehen, er wird geprägt sein von den Mietergärten in Kombination mit gemütlichen Aufenthaltsbereichen. Im südlichen Teil mit den Bestandsbäumen hingegen wird es lebhafter durch die angedachten gemeinschaftsstiftenden Spielplatz- und Bewegungsbereiche. Zur internen Straße und zu den Einfamilienhäusern im Westen ist Abstandsgrün eingeplant.

Stichwort Einfamilienhäuser: Warum sind auch Doppelhaushälften im Quartier geplant? 

Um die neue Ansiedlung noch vielfältiger zu gestalten, hat die Stadt Düsseldorf im Westen des Areals Grundstücke für Einfamilienhäuser abgeteilt. Indem die Rheinwohnungsbau den Bau der acht Doppelhaushälften übernimmt, können wir das gesamte Projekt wirtschaftlich besser abbilden. Das heißt: Wir bauen die Häuser und verkaufen sie anschließend, die Vermarktung soll in Kürze beginnen. Das Grundstück im äußersten Nordwesten des Quartiers ist einer Baugruppe vorbehalten. Dort sind wir planerisch nicht involviert. Mitten durch das Gelände wird es eine neue öffentliche Verbindungsstraße geben – gebaut von der Rheinwohnungsbau.

Wie wird die neue Verbindungsstraße im Westen der Siedlung aussehen? 

Die Straße verläuft von Nord nach Süd zwischen Regerstraße und Telemannstraße. Am südlichen Ende sind allerdings Poller geplant, um Durchgangsverkehr zu vermeiden. Die neue Straße dient den angedachten Einfamilienhäusern als Zufahrt. Sie wird verkehrsberuhigt mit Bäumen und Radständern gestaltet. Sehr wahrscheinlich werden die Schülerinnen und Schüler der benachbarten Schule sie mit ihren Fahrrädern zur Durchfahrt nutzen. Die Rheinwohnungsbau lässt diese Straße errichten und übergibt sie anschließend an die Stadt. Wir haben auch einen Vorschlag für einen Straßennamen eingereicht, aber hierzu ist bis jetzt noch nichts entschieden.

Damit sind wir beim Thema Mobilität. Inwiefern beinhaltet das Quartier am Schlosspark auch hierzu innovative Lösungen? 

Ein großer Pluspunkt des Quartiers ist die Nähe zum Bahnhof, der fußläufig zu erreichen ist. Die Station Düsseldorf-Benrath ist sehr gut ans Umland angebunden. Man kommt von dort per Zug sowohl bis tief ins Ruhrgebiet hinein als auch bis nach Köln und Aachen. Darüber hinaus haben wir – gemeinsam mit der Stadtverwaltung – eine Mobilitätsstation mit Car-Sharing-Autos und Verleih-Lastenrädern geplant, die sich teils auf öffentlichem Gelände und teils auf unserem Grundstück befindet. Mit diesem Angebot senden wir das Signal an die künftige Anwohnerschaft, dass man auf ein eigenes Auto verzichten kann. 

In der Tiefgarage wird es zudem große Fahrradräume geben. Ein Raum ist reserviert für Lastenräder, für die es dort eine Lademöglichkeit gibt. Darüber hinaus gibt es eine Fahrradreparaturwerkstatt, die alle Mietparteien nutzen können. Dieses Paket an alternativen Mobilitätsangeboten hatte den Vorteil, dass wir die vorzuhaltenden Pkw-Stellplätze in der Tiefgarage um über 20 % reduzieren konnten. Den geplanten 43 Autoparkplätzen stehen 244 Fahrradstellplätze gegenüber. Für Stellplatzmieter gibt es Ladeinfrastruktur in der Tiefgarage, darüber hinaus gibt es öffentliche Ladesäulen außerhalb des Gebäudes. Mit diesem Mobilitätskonzept leistet die Rheinwohnungsbau ihren Beitrag zur Verkehrswende.