Geschäftsbericht
2024
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MIETERSTROMMODELL

Ergebnisse aus dem Jahr 2024

Von Mieterstrom spricht man, wenn der Strom per Photovoltaik auf den eigenen Gebäudedächern produziert und sofort vor Ort von den Mietparteien verbraucht wird. Für die Energiewende ist Photovoltaik eine Schlüsseltechnologie, die ein Quartier direkt mit erneuerbarer Energie versorgen kann.


Die Mietparteien profitieren durch diese dezentrale Energieversorgung von einer hohen Versorgungssicherheit und können den selbst erzeugten Strom zu günstigen, stabilen Preisen beziehen. Denn der solare Strom wird gar nicht erst ins örtliche Stromnetz eingespeist und spart so auch Netzentgelte ein. Das Mieterstrommodell als Bestandteil der RWB-Klimastrategie senkt die CO2-Emissionen und bietet eine gelungene Kombination von Klimaschutz und Bezahlbarkeit. 

Während die Rheinwohnungsbau bei ihren Düsseldorfer Beständen teils mit einem externen Partnerunternehmen, einem Mieterstromspezialisten, kooperiert, betreibt sie in Duisburg-Ungelsheim das Mieterstrommodell in Eigenregie. Die RWB tritt hier als Energieversorger für ihre Mieterschaft auf, erschließt sich damit ein weiteres Geschäftsmodell und betritt so Neuland

Duisburg-Ungelsheim: Erfahrung nach eineinhalb Jahren Mieterstrom

Im Duisburger Stadtteil Ungelsheim gingen die ersten Photovoltaikanlagen für das Mieterstrommodell am 01.07.2023 in Betrieb und ans Netz, und zwar im Subquartier Q4 mit neun Häusern und 72 Wohnungen. Die Photovoltaikanlagen auf den dortigen Dachflächen können eine Maximalleistung von 740 kWp erreichen. Bis Ende 2024 wurden (in Q4) 564 Photovoltaikmodule verbaut. Zum 01.01.2025 ging ebenfalls das Subquartier Q8 mit Mieterstrom an den Start. Die Versorgung mit Wärme und Warmwasser erfolgt grundsätzlich durch eine zentrale Luftwärmepumpe und dezentrale elektrische Durchlauferhitzer. Bis Ende 2026 möchten wir das Mieterstrommodell für alle knapp 800 Wohnungen in dem kompletten Quartier zugänglich machen. 

In Ungelsheim hatten bis zum 31.12.2024 35 Mietparteien einen Mieterstromvertrag abgeschlossen, was knapp der Hälfte der 72 gestarteten Wohneinheiten entsprach. Im Jahr 2024 produzierten die Photovoltaikanlagen auf den Dächern 214.320 kWh Strom. Mit dem Start des Subquartiers Q8 im Jahr 2025 sind es 108 Mieterstromverträge von 216 Wohneinheiten (Stand: Redaktionsschluss), also ebenfalls 50 %. Mittelfristig werden wir für die Wohnfläche im gesamten Quartier eine Einsparung an Emissionen von über 4 kg CO2/m²a erreichen. Unsere Erfahrung ist, dass sich in einem Neubauviertel wie beispielsweise Düsseldorf-Unterrath spontan deutlich mehr Mietparteien für Mieterstrom entscheiden als in einem modernisierten Bestandsviertel.

Selbst produzierte Energie: Chance und Herausforderung für die RWB  

Das Mieterstrommodell betrachten wir als großen Hebel innerhalb unserer Klimastrategie. Unser Ziel bis 2030 ist es, dass wir rund 2.000 von dann insgesamt 6.500 Wohneinheiten mit Mieterstrom versorgen können. Voraussetzung für eine solche Energieversorgung ist immer, dass das Modell auf funktionierenden Prozessen beruht. Denn man betritt als Wohnungsunternehmen neues Terrain und muss dazu einen eigenen Workflow etablieren. Außerdem müssen alle Zähler digital erfasst sein und die Zählwerte für die optimale Stromverteilung mehrmals pro Stunde übermittelt werden. Das Zusammenspiel der Technologien ist herausfordernd, denn auch die eingebauten Wärmepumpen bedienen sich des Stroms. Zwar reichen Photovoltaikanlagen nicht für die Stromversorgung an 365 Tagen im Jahr aus, aber mittels intelligenter Steuerung der Energieströme und Pufferung in Speichern bzw. Batterien erzielt man einen hohen Autarkiegrad. Die große Kunst ist es, die verschiedenen Komponenten zu koordinieren.